Warum Emirates First Class so polarisiert – und für wen sie wirklich Sinn ergibt
- Chris von TravelSingFly
- 6. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Es gibt kaum ein Produkt in der Luftfahrt, das so viele Emotionen auslöst wie die Emirates First Class. Über 26000 First-Class Sitze bietet Emirates pro Woche an - mit Abstand das größte First-Class-Angebot weltweit! die einen ist sie der Inbegriff von Luxus: Suite mit Tür, Dusche über den Wolken, Kaviar, Dom Pérignon. Für die anderen ist sie ein überteuertes Spektakel, mehr Marketing als Substanz. Wie so oft liegt die Wahrheit dazwischen.
Wichtig ist vor allem eines: Emirates First Class ist kein einheitliches Produkt. Je nach Flugzeug ist sie ein völlig anderes Erlebnis – und genau das ist einer der Hauptgründe, warum sie so polarisiert.
Nicht jedes Emirates-Flugzeug hat First Class
Airbus A350: keine First Class
Boeing 777: First Class – aber in zwei völlig verschiedenen Versionen
Airbus A380: First Class mit den berühmten Shower Spas
Auf allen Flügen in Emirates First Class gleich, egal ob B777 oder A380: Hervorragendes Amenity Kit von Bulgari, Pyjama, Kaviar-Service
Boeing 777: First Class lohnt sich nur als „Game Changer“
In der Boeing 777 gibt es zwei Varianten:
die ältere, konventionelle First Class:
- baugleich mit der First Class im Airbus A380
- hat an Bord weder eine Bar noch das Emirates Shower Spa
und die extrem seltene Emirates Game Changer First Class
- komplett geschlossen bis zur Decke
- extrem privat
- mit Zero-Gravity-Sitz
- mit virtuellen Fenstern in den mittleren Suiten
Das ist objektiv eine der besten First Classes der Welt.
Aber: Sie ist nur auf sehr wenigen Flugzeugen verbaut und auf sehr wenigen Strecken zuverlässig planbar.
Meine klare Einschätzung: In der Boeing 777 lohnt sich Emirates First Class nur, wenn es wirklich die Game-Changer-Version ist.
Der Weg in die Emirates A380 First Class: Vom Gate direkt ins Oberdeck - und dann bitte links abbiegen.
Airbus A380: Das eigentliche Emirates-First-Erlebnis
Wenn Menschen von der „Emirates First Class mit Dusche“ sprechen, meinen sie immer die Emirates First Class im Airbus A380. Und hier sind die zwei unschlagbaren Gründe für den A380:
Die Bar-Lounge
Gibt es nur im A380
Ist für Business und First Class zugänglich
Also: kein exklusives First-Class-Argument, aber auf einem langen Flug trotzdem toll
Das Shower Spa
Gibt es nur in der First Class im A380
Man macht es nicht, um sauber zu sein, sondern für das Erlebnis
Nach 12–14 Stunden Flugzeit wirkt diese Dusche aber tatsächlich wie ein Reset
Weltweit gibt es sonst nur im Etihad A380 eine Dusche - aber viel kleiner als bei Emirates
Wenn Emirates First, dann für viele genau deshalb im A380.

Catering & Getränke: Hier ist Emirates wirklich Weltklasse
In einem Punkt ist Emirates First Class unangefochten: Bei den Getränken.
Emirates besitzt riesige Weinkeller in Südfrankreich mit:
extrem teuren Weinen für die First Class (teilweise mehrere hundert Euro pro Flasche)
sehr exklusiven Jahrgängen
und Spirituosen wie Hennessy Paradis (rund 1.200 €)
Rein vom Getränkeangebot ist Emirates First Class wahrscheinlich die beste First Class der Welt.
Großartig ist die Auswahl an Weinen, Champagner und Spirituosen. Die Flaschen hier haben einen Gesamt-Einkaufswert von etwa 2000 Euro!
Die Emirates First Class Lounge in Dubai
Die First Class Lounge besonders im Concourse A in Dubai ist:
(zu) riesig
modern
beeindruckend
Ihre größte Stärke liegt – wie an Bord – bei den Getränken und Weinen. Auch die Speisenauswahl ist sehr gut. Und mit "Emirates First" ist nun eine Lounge mit aufgewertetem Konzept eingeweiht worden (die ich für TravelSingFly bald auch testen werde!) Aber bis jetzt hatten die Lounges in Concourse A und B ein Problem:
sie sind oft nicht besonders ruhig, da sie fast überall offen zum öffentlichen Flughafenbereich sind
echte Privatsphäre ist Mangelware - es gibt fast keine Ruhemöglichkeiten
sie fühlen sich mehr wie ein sehr großer Premium-Terminalbereich an als wie ein exklusiver Rückzugsort
Und nochmal Top-Weine im muslimischen Dubai: Mit etwas Glück, je nachdem, was aus den Kellern in Südfrankreich geliefert wurde, kann es sehr außergewöhnliche Flaschen geben: Hier die unglaubliche Weinauswahl in der Lounge bei einem einzigen Besuch.
Wichtiger Realitäts-Check: Chauffeur-Service
Business- und First-Class-Passagiere bekommen in zahlreichen Destinationen einen Limousinen-Service zum und vom Flughafen. Bei Prämientickets (Meilen) aber gibt es seit Jahren keinen Chauffeur-Service mehr. Das ist kein Drama – aber wichtig für realistische Erwartungen.
Wo Emirates First Class großartig ist
Privatsphäre: alle Suiten haben Türen - beim Gamechanger schließen sie bis zur Decke
Service
Schlafkomfort
Erlebnisfaktor
Getränke & Catering
Wo sie überschätzt wird
Moderne Business Class Produkte (Qsuite, Cathay Aria Suite, ANA The Room, JAL A350-1000) sind heute: extrem privat, extrem bequem, extrem effizient. Sie bringen dich fast genauso erholt ans Ziel – zu einem Bruchteil der Kosten oder Meilen.
Nicht ganz die Dimensionen und der Top-Luxus einer First Class, aber ebenfalls sehr privat, mit Tür und Bett: ANA The Room, Qatar QSuite, Cathay Pacific Aria Suite
Für wen Emirates First Class Sinn ergibt
Sie passt zu dir, wenn:
du bewusst dieses Erlebnis willst
du den A380 oder die Game-Changer-777 erwischst
du den Flug als Event siehst
Sie passt nicht zu dir, wenn:
du rational optimierst
du einfach perfekt ankommen willst
du lieber öfter Business Class fliegst. Allerdings: mit Meilen gebucht, ist der Schritt von der sehr teuren Business Class zur First Class nicht mehr so groß! Da lohnt sich ein zweiter Blick.
Video zum Thema: Die vielleicht lohnendste Emirates-First-Class-Strecke nach Preis-Leistung
Fazit
Luxus als Erlebnis. Nicht als Notwendigkeit.
Emirates First Class ist kein Maßstab für gutes Reisen – aber ein besonderes Erlebnis, wenn alles passt: Flugzeug, Route, Erwartung. Die beste Reise entsteht nicht durch:
die größte Suite
den teuersten Champagner
oder die spektakulärste Dusche
… sondern durch:
Ziel, Zeit, Erwartung und Erlebnis.









































