Frequent Traveller für 650 Euro – lohnt sich der gekaufte Lufthansa-Status wirklich?
- Chris von TravelSingFly
- vor 8 Stunden
- 6 Min. Lesezeit
Miles & More verkauft 2026 erstmals den Frequent-Traveller-Status direkt.
Inhaber einer qualifizierenden Miles & More Kreditkarte können den Status noch bis zum 30. September 2026 für 650 Euro oder 80.000 Miles-&-More-Meilen erwerben – ohne die normalerweise notwendigen Statuspunkte erfliegen zu müssen. Aber: Der gekaufte Status läuft bereits am 28. Februar 2027 aus.
Loungezugang, Business-Class-Check-in, zusätzliches Gepäck und mehr Meilen sind für sich allein betrachtet attraktiv.
Wer im September kauft, bezahlt aber 650 Euro für nur rund fünf Monate Frequent-Traveller-Status, der in vielen Fällen gar nicht so unbedingt erstrebenswert ist. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Sind die Vorteile innerhalb dieser kurzen Zeit wirklich 650 Euro wert?

Wer darf den Frequent Traveller kaufen?
In Deutschland gilt das Angebot für Inhaber einer Miles & More Gold Credit Card oder Gold Credit Card Business.
Der Aktionszeitraum läuft vom 29. Juli bis 30. September 2026. Das Angebot kann nur einmal genutzt werden und richtet sich an Miles-&-More-Mitglieder ohne bestehenden Vielfliegerstatus.
Nach dem Kauf kann es bis zu sieben Tage dauern, bis der FTL im Miles-&-More-Konto sichtbar ist.
Normalerweise muss man den Status erfliegen
Regulär benötigt man für den Frequent Traveller innerhalb eines Kalenderjahres:
Ein regulär erreichter Status ist wesentlich länger gültig als das aktuelle Kaufangebot.
Wer also ohnehin kurz davorsteht, die erforderlichen Points zu erreichen, sollte den Status nicht vorschnell kaufen. Wird er nach dem Kauf später doch noch regulär erreicht, gibt es keine Erstattung der 650 Euro.
Was bietet der Frequent-Traveller-Status?
Die wichtigsten Vorteile sind:
Zugang zu ausgewählten Business Lounges
Business-Class-Check-in bei Miles-&-More-Airlinepartnern
zusätzliches Freigepäck unter bestimmten Voraussetzungen
bis zu 50 Prozent mehr Prämienmeilen bei bestimmten Airlines
keine Verjährung der Miles-&-More-Meilen während des Status
höhere Wartelisten- und Stand-by-Priorität
Star Alliance Silver
eine günstigere Lufthansa Frequent Traveller Credit Card
Das klingt nach viel. Einige Vorteile werden allerdings häufig überschätzt, denn:
Frequent Traveller ist nicht Star Alliance Gold
Der wichtigste Punkt überhaupt:
Frequent Traveller entspricht nur Star Alliance Silver.
Damit gibt es keinen allgemeinen Star-Alliance-Loungezugang.
Wer beispielsweise mit Singapore Airlines, Thai Airways oder ANA in Economy durch Asien fliegt, kommt durch seinen FTL-Status nicht in eine Lounge.
Auch Priority Boarding, Priority Baggage, Gold Track oder genereller zusätzlicher Star-Alliance-Gepäckvorteil gehören zu Star Alliance Gold, nicht zu Silver.
Der Loungevorteil des FTL gilt deshalb vor allem innerhalb der Lufthansa Group und bei entsprechenden Miles-&-More-Partnern.
Wo gilt der Loungezugang?
Frequent Traveller erhalten unter den jeweiligen Zugangsbedingungen unter anderem Zugang zu Business Lounges von:
Lufthansa
Austrian Airlines
SWISS
Brussels Airlines
ITA Airways
Wer häufig mit diesen Airlines unterwegs ist, kann den Vorteil entsprechend oft nutzen.
Wer dagegen überwiegend mit anderen Star-Alliance-Airlines fliegt, sollte den Loungezugang nicht als gleichwertigen allianzweiten Vorteil kalkulieren.
Wie viel ist eine Lufthansa Business Lounge wirklich wert?
Gerade der Loungezugang wird schnell schöngerechnet.
In Frankfurt und München wird Economy-Passagieren bei entsprechender Verfügbarkeit teilweise käuflicher Zugang zur Lufthansa Business Lounge für ungefähr 49 Euro angeboten.
Aber 49 Euro Verkaufspreis sind für mich nicht gleichbedeutend mit 49 Euro Gegenwert.
Die Lufthansa Business Lounges sind angenehm und funktional, gastronomisch aber eher basic. Das Speisenangebot ist überschaubar, die Weinauswahl nicht besonders hochwertig, und Statt Champagner gibt es beispielsweise günstigen Prosecco. Persönlich würde ich einen Besuch deshalb eher mit 25 bis 30 Euro realistischem Nutzwert ansetzen.
Damit wären allein rund 22 Besuche bei 30 Euro Gegenwert innerhalb weniger Monate nötig, um den Preise rechtzufertigen. Allein wegen der Lounge würde ich den Status deshalb nicht kaufen.
Beim Gepäck gilt eine klare Einschränkung
Das zusätzliche Freigepäck ist ein echter Vorteil – aber nur, wenn der gebuchte Tarif ohnehin Aufgabegepäck enthält. Aber: Economy Basic und Economy Light erhalten kein zusätzliches kostenloses Aufgabegepäck durch den Status.
Wer also einen Tarif ohne enthaltenes Aufgabegepäck bucht, bekommt als Frequent Traveller nicht plötzlich einen kostenlosen ersten Koffer. Bei Tarifen mit regulärem Freigepäck kann der FTL dagegen zusätzlichen Gepäcknutzen bringen.
Gerade für Reisende mit mehreren Flügen und regelmäßigem großen Aufgabegepäck kann das finanziell relevant werden.
Für reine Reisende mit Light-Tarif ist der Vorteil dagegen null.
Business-Class-Check-in
Auf Linienflügen der Miles-&-More-Airlinepartner dürfen Frequent Traveller unabhängig von der gebuchten Reiseklasse den Business-Class-Check-in nutzen. Das kann Zeit sparen und ist angenehm. Ich halte es aber für unseriös, diesem Komfortvorteil künstlich einen Geldwert pro Flug zu geben.

Mehr Meilen können sich bei Vielfliegern summieren
FTL-Mitglieder erhalten bei bestimmten Airlinepartnern bis zu 50 Prozent mehr Prämienmeilen.
Wer bis Ende Februar mehrere teure, bezahlte Lufthansa-Group- oder Partnerflüge plant, kann dadurch einen spürbaren zusätzlichen Gegenwert erzielen.
Bei wenigen günstigen Europaflügen fällt dieser Effekt entsprechend gering aus.
Ein echter finanzieller Vorteil: Die Kreditkarte wird günstiger
Wer in Deutschland die Miles & More Gold Credit Card besitzt und den Frequent-Traveller-Status kauft, wird anschließend automatisch auf die Lufthansa Frequent Traveller Credit Card umgestellt.
Diese kostet aktuell 5,41 Euro pro Monat.
Die reguläre Gold Card kostet 11,50 Euro pro Monat.
Die Differenz beträgt 6,09 Euro monatlich.
Über fünf bis sechs Monate ergibt das eine Ersparnis von ungefähr 30 bis 37 Euro.
Kein riesiger Betrag, aber ein realer Gegenwert, der in die Rechnung gehört.
Auch der Schutz vor Meilenverfall ist weniger wertvoll, als er klingt
Solange der Frequent-Traveller-Status besteht, verfallen Miles-&-More-Meilen nicht.
Das klingt zunächst wichtig. Allerdings besitzen Käufer des Angebots ohnehin bereits eine qualifizierende Miles & More Gold Credit Card. Diese kann unter den entsprechenden Bedingungen ebenfalls vor Meilenverfall schützen.
Der Status bringt hier also nicht automatisch einen zusätzlichen großen Vorteil.
650 Euro oder 80.000 Meilen?
Hier ist mein Urteil eindeutig.
80.000 Miles-&-More-Meilen für einen Gegenwert von 650 Euro entsprechen lediglich:
0,8125 Cent pro Meile.
Wer Miles-&-More-Meilen gezielt für hochwertige Business- oder First-Class-Prämien nutzt, kann deutlich mehr Gegenwert erzielen, mit 2 Cent bis zu einem Vielfachen davon.
Der Statuskauf wäre ein tragischer Verlust von Meilen, die viel wertvoller sind als ein paar Monate Lounge.

Für wen kann sich der Status lohnen?
Interessant kann das Angebot für eine relativ kleine Zielgruppe sein.
Lufthansa-Group-Economy-Reisende mit vielen Flügen bis Februar
Wer bis Ende Februar sehr oft Lufthansa, SWISS, Austrian, Brussels oder vergleichbare Partner fliegt, kann Lounge, Check-in und zusätzliche Meilen häufig nutzen.
Reisende mit viel Aufgabegepäck
Wer Tarife mit Freigepäck bucht und tatsächlich zusätzliches Gepäck erhält, kann über mehrere Reisen realen Gegenwert erzeugen.
Reisende, für die Zeit besonders wertvoll ist
Business-Class-Check-in und Loungezugang können Reisen deutlich angenehmer machen, auch wenn sich dieser Komfort nicht seriös in einen festen Eurobetrag übersetzen lässt.
Für wen lohnt sich der Status nicht?
Für die meisten Gelegenheitsreisenden würde ich die 650 Euro sparen.
Besonders wenig sinnvoll erscheint mir der Kauf für:
Reisende mit nur wenigen Lufthansa-Group-Flügen bis Februar 2027
überwiegende Business-Class-Reisende
Reisende, die hauptsächlich andere Star-Alliance-Airlines nutzen
reine Handgepäckreisende
Nutzer mit ohnehin vorhandenem Loungezugang
Personen, die den FTL bis Jahresende regulär erreichen können
Die kurze Laufzeit ist das Hauptproblem
Die Vorteile des Frequent Traveller sind durchaus brauchbar.
Das Problem des Angebots ist weniger der Status selbst als seine extrem kurze Laufzeit.
Wer Anfang September 650 Euro bezahlt, kann den FTL noch knapp sechs Monate nutzen. Wer erst Ende September kauft, nur rund fünf Monate.
In dieser kurzen Zeit müssen Loungezugang, Gepäck, zusätzliche Meilen, Check-in-Vorteile und die etwas günstigere Kreditkarte den Kaufpreis rechtfertigen. Den meisten Reisenden dürfte das nicht gelingen.
Fazit: Für die meisten zu teuer
Der Frequent Traveller ist kein schlechter Status - aber alles andere als ein Must-Have.
Er ist eben kein kleiner Senator und kein Star Alliance Gold. Wer regelmäßig mit Lufthansa Group und Miles-&-More-Partnern in Economy fliegt, häufig eine Business Lounge nutzt und regelmäßig zusätzliches Gepäck benötigt, kann aus den Vorteilen einen beachtlichen Nutzen ziehen.
Für diesen relativ kleinen Personenkreis können 650 Euro vertretbar sein.
Für den durchschnittlichen privaten Reisenden halte ich das Angebot dagegen für zu teuer – vor allem wegen der kurzen Gültigkeit bis Ende Februar 2027.
Allein für Loungezugang würde ich den Status nicht kaufen.
80.000 Miles-&-More-Meilen würde ich dafür auf keinen Fall einsetzen.
Die entscheidende Frage ist daher einfach:
Weiß ich heute konkret, dass ich die FTL-Vorteile bis Ende Februar SEHR häufig nutzen werde?
Wenn nicht, sind die 650 Euro wahrscheinlich besser anders eingesetzt.
Lounge-Alternative Priority Pass
Lounge geht auch ganz ohne Status, egal ob man Lufthansa oder Ryanair fliegt.
Wer den Frequent Traveller vor allem wegen der Lounge kaufen würde, sollte Alternativen gegenrechnen. Ein Priority Pass Prestige kostet in Deutschland aktuell 459 Euro pro Jahr und bietet unbegrenzte eigene Lounge-Besuche und lohnt sich vor allem dann, wenn man ohne Status viele Airlines verschiedener Allianzen in Economy fliegt.
Noch interessanter kann die American Express Platinum Card sein: Dort ist der Priority Pass bereits enthalten. Haupt- und Zusatzkarteninhaber können zusammen bis zu 50 Priority-Pass-Lounge-Besuche pro Kalenderjahr - Gäste konnen ebenfalls mitgenommen werden (zählt als Besuch). Dazu kommen noch Vertragslounge von American Express sowie die Amex Centurion Lounges selbst. Wer also ohnehin über eine Platinum Card nachdenkt oder sie bereits besitzt, hat also noch weniger Gründe für einen FTL-Status-Kauf.
Das schönste Fluggefühl mit Lufthansa gibt's hier:





